Gefühle dürfen gefühlt und gelebt werden – die Berührung als soziales Tabu wird gebrochen

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Im gesellschaftlichen Kontext hat die Berührung immer eine unterschiedliche Bedeutung. Die Berührung ist die Sprache persönlicher Intimität und damit einer der stärksten Kanäle der Kommunikation. Je nachdem welche Intention eine Berührung hat, wird es sich immer anders anfühlen. Wir können mit fremden Personen in einen engen körperlichen Kontakt kommen und so eine aufregende und erfüllende Erfahrung machen. Mit einer warmherzigen Berührung können wir Isolation durchbrechen. Dies geschieht zum Beispiel durch einen Handgruß, eine Umarmung, gemeinsames Tanzen, eine Massage, eine Therapiebehandlung oder in der Pflege. Du kannst dich in verschiedenen Qualitäten berührt fühlen. Die Wirkung kann zum Beispiel unterstützend, zärtlich, besänftigend, spielerisch, sexuell, aggressiv oder anregend sein.


 Die Umarmung

 

300577_sDurch eine herzliche Umarmung zeigen wir unserem Gegenüber das wir ihn wertschätzen, geben unsere Zuneigung, Verständnis, Vertrauen, Schutz und Sicherheit.
Eine warme Umarmung lässt die Dinge schon in einer anderen Farbe erstrahlen, sie stärkt das Selbstwertgefühl und das persönliche Wachstum. Eine Umarmung wirkt heilend auf unseren körperlichen und mentalen Zustand ein und betankt uns mit Lebensenergie.


Wenn wir umarmt werden produziert unser Körper Oxytocin (ein Wohlfühlhormon) und es wird gleichzeitig der Ausstoß des Stresshormons Cortisol gesenkt, was Herzkrankheiten vorbeugt und das Immunsystem stärkt.


Heute wird bereits in verschiedenen Krankenhäusern die Umarmung als Ausbildungsinhalt geführt, um bei Schmerzen, Depressionen und Angstzuständen Hilfe zu leisten.


Ein Sprichwort lautet: wir brauchen 4 Umarmungen pro Tag zum Überleben, 8 um unsere emotionale Balance zu wahren und 12 für unser Wachstum.

 

Video: Free Hugs Campaign – Official Page


 

Eine kleine Partnerübung dazu:

 

Stelle dich deinem Partner gegenüber und nimm den Boden unter deinen Füßen wahr, erde dich. Finde dein Gleichgewicht und nimm vorerst intensiven Augenkontakt zu deinem Partner auf (mindestens drei Minuten), dann reicht euch langsam die Hände und verweilt so noch einen Moment in dieser Position. Vielleicht nimmst du deinen Partner heute anders wahr, intensiver, vielleicht siehst du auch verschiedene Gesichter an ihm. Jetzt könnt ihr euch langsam in die Umarmung begeben und Anspannungen los lassen. Haltet euch für einige Minuten im Arm und fühlt in euch hinein. Genießt den Moment im Augenblick zu sein. Wenn du die Übung noch intensivieren möchtest, kannst du deinem Partner noch drei Dinge sagen, welche du an ihm magst und wertschätzt 🙂


 

Im Kontakt – Tanz der Körper

 

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Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen.

 

Der freie Tanz (auch Kontakttanz oder Kontaktimprovisation genannt) wird vom Aikido und Zen-Buddhismus beeinflusst und es werden keine Vorgaben gegeben, wie wir tanzen sollen, sondern es geht um den Informationsaustausch von Sicherheit und Wohlbefinden. In den freien Tanz fließen Elemente aus dem Yoga, Thai- Chi und südamerikanischer Kampf-und Tanzformen mit ein. Unser Körper ermöglicht uns Austausch und Kommunikation durch verschiedene Oberflächen und Innenflächen, wie zum Beispiel durch die Haut, Lungen und Darm. Bei dem Kontakttanz spielt die Berührungsfläche des Partners eine übergeordnete Rolle. Indem beide Personen permanent ihr Körpergewicht abgeben, wird der Kontaktpunkt gehalten. Man befindet sich also im ständigen Wechsel zwischen Gewicht Abgeben und Annehmen und nutzt die Schwerkraft für die Bewegung.


 

Bei der Kontaktimprovisation ist es zunächst wichtig sich selbst zu zentrieren, bevor wir uns in Kontakt mit einem anderen begeben. Es wird angestrebt von der konzeptionellen Kopfebene zur Wahrnehmungsebene zu kommen und von da aus den Tanz zu starten.

 

Video: Contact Improv Moab Jam 2014 Blake Nellis & Mihyun Lee


Sei gegenwärtig in allem, was du tust:
die einzige Wirklichkeit ist jetzt.
Solange du Vergangenem nachhängst
oder Zukünftigem nachstellst,
bist Du nicht wirklich hier, im Leben.
– Volksweisheit-

 

Der Tanz ist ein sinnliches und hautnahes Erleben, wofür das Öffnen der Sinne unerlässlich ist. Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan für unser Wohlbefinden, welches in alle Richtungen hin ausgerichtet und sensitiv ist. Im ersten Step geht es darum sich körperlich und mental zu entspannen.


 

Übung I: die Erkundung der Körperflächen und Sensibilisierung der Haut

 

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Lege dich mit deinem Rücken auf den Boden und komme im Moment an, ganz bei dir. Jetzt spüre wie sich der Boden unter dir anfühlt und gib dein Gewicht in den Boden ab. Verweile für einige Atemzüge hier. Dann fange an dich langsam von rechts nach links zu wiegen. Wiege dich so lange bis du auf dem Bauch zum Liegen kommst und erspüre welche Stellen den Boden berühren und welche nicht.


Jetzt rolle, drehe und schiebe dich auf dem Boden entlang. Hier kannst du spürend die tragende und unterstützende Qualität des Bodens erforschen. Berühre mit allen möglichen und unmöglichen Körperstellen den Boden, zum Beispiel mit den Ohren, Nasenspitze, Kleinzehe, Ellbogen usw..


 

Übung II: Dem Partner begegnen

 

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Beide Partner stehen sich in einem Abstand von ca.4 Metern voneinander entfernt gegenüber. Du darfst jetzt dein Herz öffnen und bewegst dich gleichzeitig mit deinem Partner einen Schritt aufeinander zu und beide machen nun eine spontane Gebärde, welche sie für eine Weile einfrieren und halten. Beide Partner gehen wieder in die Ausgangsstellung zurück und wiederholen die Übung mehrmals hintereinander mit verschiedenen Gebärden. Ihr könnt auch mit dem Raum zwischen euch spielen. Anschließend kannst du mit deinem Partner in ein auswertendes Feedbackgespräch gehen. Wie hast du dich gefühlt, welche Stimmungen waren zwischen euch?


 

Übung III: den Atemraum erspüren und erweitern

 

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Du stehst mit deinem Partner im Raum und dein Partner fängt an einen tiefen Ton zu summen: -ahhhh- Dabei legst du deine Hände auf verschiedene Körperstellen deines Partners, wie zum Beispiel auf Brust, Schulter, Rücken, Bauch und suchst die Stelle an welcher dein Partner am stärksten vibriert. Dein Partner singt immer weiter und versucht dabei in die berührten Stellen hinein zu summen. Dann berührst du die Körperbereiche deines Partners, die wenig vibrieren, dabei stellt sich dein Partner jetzt vor, wie sich auch diese Räume mit Klang füllen. Kehre zwischendurch immer mal wieder zu den vollen Vibrationsstellen zurück. Nach der Übung wechselt ihr die Positionen.


 

Übung IV: Partnermassage zur Lockerung und Einstimmung

 

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Dein Partner lehnt sich in dieser Massageübung mit seinem Rücken an deine Körpervorderseite und nun kannst du die Schultern und Arme von deinem Partner massieren und hältst ihn dann an seinem Becken. Jetzt rollt sich dein Partner langsam nach vorne ab und lässt sich hängen. Achte darauf, dass du deinen Partner gut stützt, damit er nicht nach vorne kippt. Jetzt stelle ein Bein von dir leicht nach vorne, sodass sich dein Partner darauf setzen kann. Indem du deinen Partner seitlich an der Hüfte festhältst, kannst du diesen langsam nach vorne, hinten und zur Seite wiegen. Dann wechselt ihr die Positionen.


 

Übung V und VI: Gemeinsame Lösungen finden im Fluss der Bewegungsimprovisation

 

Übung V:

Beide Personen stehen und berühren sich an einer Stelle am Kopf, zum Beispiel an Hinterhaupt, Stirn, Seiten oder Schädeldecke und geben ihr Körpergewicht an diesen Bereich ab. Beide suchen sich nun einen gemeinsamen Weg zum Boden und suchen auch wieder einen gemeinsamen Weg zurück nach oben.

Übung VI:

Beide Personen stellen sich nebeneinander und berühren sich mit den kleinen Zehen. Nacheinander berührst du mit Wade, Knie, Oberschenkel, Becken, Torso und Schulter die andere Person und drehst dich dann um die andere Person herum zur anderen Schulter und wanderst in gleicher Weise wieder abwärts.


Auflösung der Geschlechterrollen

 

Der Kontakttanz oder die taoistische Massage (welche eine achtsame, spirituelle Ganzkörpermassage ist) sind nicht an heterosexuelle Kombinationen gebunden und stehen in keinerlei Beziehung zur romantischen Liebe oder bestimmten Inhalten die zum Ausdruck gebracht werden sollen. In dem Moment, wo du mit einem anderen Menschen einen achtsamen Raum betrittst und in intensiven Kontakt kommst, wirst du dazu ermuntert das gesamte Spektrum von weiblichen oder männlichen Eigenschaften zu entfalten. So kannst du einen neuen Umgang mit beiden Geschlechtern erfahren, welcher nicht auf Konkurrenz oder sexuellem Interesse beruht. Hier können beide Partner besondere Qualitäten entwickeln und ausbauen, zu denen sie sonst nicht angehalten werden.

Video: Declan & Athos ~ Contact Dance Improvisation


 

Berührung – Sinnlichkeit und Sexualität


 

Neue Herausforderungen sind wunderbare Gelegenheiten, Neues über sich selbst zu erfahren.

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Oft fällt es uns nicht einfach körperliche Nähe zuzulassen. Dafür ist es zunächst sehr wichtig, dass du deine persönlichen Grenzen respektierst und dich nicht überforderst. Du darfst deine Grenzen bei jedem Kontaktpartner neu ausloten. Oft werden in unserer Kultur die Bedürfnisse nach engem Körperkontakt und Sexualität vermischt und können zur Verwirrung führen. In der Kontaktimprovisation und taoistischen Massage findest du einen freien Rahmen deine Gefühle zu fühlen ohne das du dem Zwang unterliegst, irgendetwas weiter zu führen, was üblicherweise außerhalb des Kontakttanzes oder einer intimen Massage, an soziale Erwartungen geknüpft ist. Du darfst dich also deinen Gefühlen frei hingeben und erlaubst dir spielerisch mit deinen Emotionen umzugehen und deine persönlichen Bedürfnisse zu prüfen. Beim Kontakttanz oder einer sinnlichen Massage werden alle Körperflächen zur Berührung mit einbezogen, dazu gehören auch die Körperzonen, welche im Allgemeinen zu den sexuellen Tabuzonen gezählt werden.


 

Der Kontakttanz wird gerne zur Einstimmung auf eine sinnliche Massagesession oder den intimen Partneraustausch herangezogen. Die beiden Komponenten, Kontakttanz und sinnliche Massage, ergänzen sich hervorragend und vereinen sich in einem wunderbaren Ausdruckstanz der Körper. Du hast in diesem Raum die Möglichkeit dich mit deiner sexuellen und deiner Herzenergie zu verbinden und Körper und Geist gleichzeitig zu erfahren. Die vier Richtungen des Herzens sind: Mitgefühl, Zärtlichkeit, Liebe und Unvoreingenommenheit.

Video: Places we go


 

Vertrauen und Achtsamkeit als Erfolgsfaktoren im Geben und Nehmen von Berührungen


 

Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.
Khalil Gibran

Berührung und Entspannung auf allen Ebenen kann nur in einer Atmosphäre des Vertrauens entstehen. Es ist dafür wichtig das Bedürfnis nach körperlicher oder emotionaler Sicherheit von vornherein zu respektieren. Emotionale Unterstützung kann über körperliche Berührung vermittelt werden oder über eine positive Hinwendung zum Partner durch Augenkontakt, Aufmerksamkeit und Interesse. Jeder Mensch hat ein individuelles und natürliches Empfinden darüber, wieviel Nähe er gewähren kann, ohne das in seine persönliche Sphäre eingedrungen wird. In einer Massage, dem Kontakttanz oder dem intimeren Austausch ist es natürlich sehr wichtig diesen persönlichen Raum zu respektieren. Indem wir unsere Grenzen wahrnehmen, respektieren und kommunizieren, wird ein Raum geschaffen, in dem sich Grenzen verschieben können und damit zum Wachstum einladen. Jedoch kann eine Grenzbewegung nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden!


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Vertrauensübung: Du stellst dich mit etwas Abstand und mit dem Rücken vor deinen Partner. Jetzt schließe deine Augen, falte deine Arme vor deiner Brust zusammen, verbinde dich mit deinem Herzen, atme kurz durch und lasse dich nach hinten fallen, in die Arme deines Partners. Ihr könnt mit dem Abstand zwischen euch auch etwas spielen, aber so, dass dein Partner dich immer sicher auffangen kann. Dann wechselt ihr die Position.


 

Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt,
offenbart sie dessen Schönheit.
Wenn die Achtsamkeit etwas Schmerzvolles berührt,
wandelt sie es um und heilt es.
– Volksweisheit-

 

Unser Geist ist ein rastloser Geselle und springt von einem Gedanken zum anderen, ähnlich unserer kurzlebigen Gefühlseindrücke. Selten ist unsere Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt. Wenn Geist und Körper nicht zusammen wirken, fällt unser Körper zusammen und der Geist ist abwesend. Um Körper und Geist aufeinander abzustimmen, wird man aufgefordert jenseits der Sprache zu beobachten und zu sehen. Es wird sozusagen auf den inneren Dialog verzichtet, der meistens sowieso nur eine Mischung aus halb bewusstem Gebabbel und privaten Tagträumen darstellt. Oft verstricken wir uns in Streitgespräche mit uns selbst und anderen und entwickeln unsere eigene Bildersprache. Das alles findet nur in unserem Kopf statt und darf losgelassen werden.


 

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Nicole Tauchnitz, Jahrgang 80, Impulsgeber bei Seelenjuwel, Work-Life-Balance, Ayurveda Therapist, Reiki Meister, Bodyworker & Coach, Heilpraktiker in Ausbildung

 http://www.seelenjuwel.de
 http://www.blessu.de
 http://www.magisch-lieben.de

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